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Chrdrenkmann

This Man’s Trippin’

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Mittwoch, 21. März 2018, 00:11

Eventuell erinnern sich manche noch an meinen vorherigen Praktikumspost in diesem Thread aus dem letzten Jahr, in welchem ich mich ausführlich darüber ausgelassen habe, wie schlimm es dort war.

Mir fiel ein, dass ich ein weiteres schreckliches Praktikum während der Schulzeit (9. Klasse) hatte, worüber ich noch nichts geschrieben habe. Vielleicht damals im SpongeBoard mal.

Damals war ich 14 und hab für wenige Wochen bei einer Zeitung gearbeitet, welche ich mal nicht namentlich nennen möchte. War jedenfalls keine große bzw. deutschlandweit bekannte. Die ersten Tage waren noch vollkommen in Ordnung. Hauptsächlich durfte ich mich mit dem Verfassen von Artikeln beschäftigen, was auch genau das war, was mir vorschwebte.

Die Stimmung schlug um, als man plötzlich immer größere Dinge von mir verlangte. Irgendwann erreichte es einen Punkt, an dem ich mir zehn Fragen für eine Schuldirektorin ausdenken und allein dort hinfahren musste, um sie zu interviewen. Das war für mich damals eine unglaubliche Herausforderung, weil ich noch extrem schüchtern war und trotzdem sollte ich mir allein ein Interview ausdenken und führen. Ich konnte absolut von Glück reden, dass besagte Schuldirektorin an diesem Tag nicht anwesend war und sich die Sache damit erledigt hatte.

In der letzten Woche krachte es allerdings extrem. Der erste Diskussionspunkt war, dass ich angeblich an einem Donnerstag zu früh ging. Als Hintergrundinformation: Jeden Donnerstag kam um etwa 12 Uhr ein Sportreporter und besetzte meinen Arbeitsplatz, sodass ich immer gehen durfte, sobald er da war. An dem Tag war es so, dass mein Chef gerade ein Gespräch führte und ich mich laut verabschiedete. Ich nahm an, dass er es gehört hatte, doch mir wurde am nächsten Tag vorgeworfen, dass ich einfach so gegangen bin, obwohl man am selbigen Tag noch was mit mir besprechen wollte.

Der zweite Diskussionspunkt war, dass ich durch einen extremen Verkehrsstau am Freitag, dem ohnehin allerletzten Praktikumstag, etwa zweieinhalb Stunden zu spät erschien. Ich wollte mich zwar auf irgendeine Art und Weise melden, jedoch kannte ich keine Telefonnummer, die mir hätte weiterhelfen können. Jedenfalls sagte dann der Mitarbeiter, der Max Schradin optisch sehr ähnlich sah und eine Hierarchiestufe unter dem Chef stand (der Chef war zu dem Zeitpunkt nicht im Raum), dass das Praktikum für mich beendet ist und ich gehen kann. In dem Moment fiel ich aus allen Wolken, weil ich in den vorherigen Wochen so über mich hinauswachsen musste, um meine Ängste zu überwinden und die Anforderungen zu erfüllen, aber ich dann rausgeworfen wurde, ohne dass man mir eine Beurteilung ausstellen wollte. Aus Wut war ich dann ein richtiger Gangster und hab ein Wegweiser-Schild bei der Eingangstür von der Wand gerissen. :band:

Ich habe bis heute ein Trauma von dem Moment. Es könnte mir echt jedes Mal kalt den Rücken runterlaufen, wenn ich nur daran denke. Eines der schlimmsten Ereignisse in meinem bisherigen Leben.

Aber ein fast genau so großer Horror sollte erst nach dem Praktikum geschehen. Ich dachte, ich hätte alles überstanden, doch ich musste erkennen, dass sich nun mehrere meiner Lehrerinnen gegen mich stellten. Meine Klassenlehrerin, die ich sonst unfassbar sympathisch und lustig fand, sagte mir im Originalton: „Sie haben den guten Ruf der Schule verletzt.“ Ich konnte nicht glauben, was ich da von ihr hörte. Sie hat wirklich so getan, als ob ich die gesamte Schule unwürdig vertreten hätte. Bestimmt wurde ja noch nie sonst irgendwo auf der Welt jemand gefeuert, aber nein, das Gymnasium hatte ja durch einen einzigen Schüler seinen kostbaren Ruf zu verlieren. Meine Musiklehrerin, welche ich ebenfalls immer super fand, ging sogar so weit, mir fiese Blicke zuzuwerfen und nicht mal mehr mit mir zu reden, wenn sie mich auf dem Gang traf. Es war einfach so bizarr und realitätsfern, fast wie in einem schlechten Film.

Als ich meiner Mutter berichtete, was meine Klassenlehrerin mir vorwarf, war sie außer sich vor Wut und stellte sie zur Rede, wie sie mit mir umging. Sie erzählte ihr auch, dass sie es für ungerechtfertigt hielt, welche schwierigen Aufgaben ich im Praktikum erledigen sollte, denn Schülerpraktikanten bei ihr in der Bäckerei mussten nie wirklich selbst Hand anlegen. Übrigens gab es noch einen weiteren Vorfall, bei dem meine Klassenlehrerin über mich herzog, nämlich bei einem Radtour-Ausflug, wo ich und meine Mutter, die mich herbrachte, partout die Klasse nicht finden konnten, obwohl wir bei einer Schranke warteten, die als Treffpunkt ausgemacht war. Ich konnte daher nicht teilnehmen, wurde aber am nächsten Tag von meiner Klassenlehrerin lächerlich gemacht. Spätestens dann hasste ich sie nur noch, was extrem schade war, wenn man bedenkt, dass ich sie vor den beiden Ereignissen sehr mochte.

Aber zurück zum Thema. Die Sache mit der "Rufschädigung der Schule" war natürlich komplett schwachsinnig und nach wenigen Tagen hat es niemanden mehr interessiert. Offen blieb weiterhin, eine Beurteilung vom Praktikumsbetrieb zu erhalten. Um diese doch zu erlangen, musste ich meinen Mut zusammennehmen und wieder dort aufkreuzen (das Wegweiser-Schild, das ich von der Wand riss, stand dann übrigens auf der Heizung 8O ). Statt mir dann jedoch gleich eine Beurteilung auszustellen, sollte ich eine weitere Aufgabe erledigen und allein eine Umfrage durchführen, bei der ich fünf Passanten zu irgendeinem Thema befrage. Als mich mein (ehemaliger) Chef fragte, ob das so klar gehen würde, entgegnete ich: „Ich wäre ja schön blöd, wenn ich diese Chance nicht wahrnehmen würde.“ Aber ehrlich gesagt dachte ich mir nur: „Leck mich am Arsch, ich hab auf so eine Scheiße keinen Bock. Ist mir doch egal, ob ich dann keine Beurteilung bekomme.“ Letztendlich ist es also so gekommen, dass ich es nicht machte und ich nie wieder mit diesen Menschen zu tun hatte.

Der Post ist aber noch nicht zu Ende. Ich möchte euch noch erzählen, wie es aktuell einer Ausbildungskollegin von mir geht, welche nun bei dem Horror-Praktikumsbetrieb arbeiten musste, bei welchem ich letztes Jahr litt (siehe oben).

Dazu erst mal ein passendes Zitat:

Dann kam die Tour, mit der ich bereits gerechnet hatte: Ich wurde mit anderen Praktikanten verglichen, welche vor mir dort waren. Ich wäre ja der Einzige, der seinen Vertrag nicht verlängert hat und nach drei Monaten aufhört. Alle anderen waren mindestens zwei Jahre dort.

Das wirkt mittlerweile nur noch lächerlicher, denn nach mir hörte jemand nach ein paar Wochen auf und auch meine Ausbildungskollegin ist kurz davor, hinzuschmeißen. Also ja: Es lag nicht an mir, was mir dort widerfuhr. Diese Teufelinnen sind zu jedem so. Meine Ausbildungskollegin arbeitet erst seit etwa drei Wochen dort und musste sich jetzt schon so viel gefallen lassen. Man kritisierte, dass sie nicht richtig telefonieren kann, obwohl sie im Vorstellungsgespräch angab, generell Probleme bei so etwas zu haben. Des Weiteren wird ihr ständig gesagt, sie soll einen Zehn-Finger-Kurs belegen, obwohl so etwas gar nicht mehr verlangt wird. Außerdem schreibt sie ihren Ausbildungsnachweis per Hand und Frau L. (ich benutze diese Abkürzungen mal weiterhin) wollte ihr den einen Tag vor der Zwischenprüfung nicht unterschreiben, weil es laut ihr ja unbedingt elektronisch angelegt werden muss. Und erst letzte Woche soll es richtig geknallt haben, als Frau M. das Fenster aufriss und meiner Kollegin sagte, ihr Parfüm würde stinken. Sie wurde dann eine Stunde früher nach Hause geschickt.

Ich verstehe auch überhaupt nicht, warum seitens meiner Ausbildung dieses Praktikum immer noch uns Auszubildenden aufgezwungen wird. Von jedem, der dort war, hagelt es heftige Kritik, aber es wird absolut nicht ernst genommen und so getan, als ob das beim nächsten Azubi komplett anders aussehen könnte. Nicht in Worte zu fassen, so was.

Derzeit bin ich übrigens in der Endphase des Praktikums, das ich während des 2. Lehrjahres durchführen soll. Sobald es Ende März vorüber ist, werde ich mich auch zu diesem detailliert äußern. Ich kann aber schon mal verraten, dass es diesmal deutlich besser war. :D

Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von »Chrdrenkmann« (21. März 2018, 00:21)


Chrdrenkmann

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Mittwoch, 4. April 2018, 13:42

Wie angekündigt möchte ich nun über mein Praktikum schreiben, welches am 3. Januar begann und am 29. März endete. Ich habe in einem Berliner Krankenhaus gearbeitet, aber nicht etwa als Arzthelfer oder so was, sondern in den Bereichen Verwaltung/Archiv - schön im Hintergrund also. Hauptsächlich ging es darum, Krankenakten und sonstige Unterlagen herauszusuchen und einzusortieren. Ab und zu durfte ich auch am PC arbeiten und die Patientendaten bearbeiten.

Als ich das Archiv das erste Mal sah, war ich ziemlich erstaunt: Pendelhefter, wohin man auch blickte - und das war nur einer der vier Räume, nämlich Oktober bis Dezember. Die Akten wurden folgendermaßen in Räume untergebracht: Januar und Februar, März bis August, September und halt Oktober bis Dezember. Den Januar/Februar-Raum hatte ich am meisten gehasst, denn da bekam ich herrliche Flashbacks an das 2017er-Praktikum - nur mit dem Unterschied, dass es diesmal gleich ZWEI Türen gab, die ich schwer aufbekam. Zum einen die Raumtür selbst und dann waren die Akten noch in einem speziellen Blechkasten verschlossen. Mit ein bisschen Übung ging es dann aber.

Das System, wie die Akten einsortiert wurden, war simpel: Oben wurde die Jahreszahl draufgeklebt und unten gab es vier weitere Felder, zwei für die Tagesziffern und zwei für die Monatsziffern. Jede Ziffer von 0 bis 9 hatte eine bestimmte Farbe: 0 weiß, 1 gelb, 2 rot, 3 blau, 4 orange, 5 grün, 6 lila, 7 braun, 8 grau, 9 schwarz. Wenn ich also den heutigen Tag, den 04.04., hätte, wäre die Kombi weiß, orange, weiß, orange. Auf diese Weise hatte jedes Datum eine individuelle Kennzeichnung. Dennoch fielen mir in den drei Monaten etliche falsch eingehängte Akten ins Auge. Der beliebteste Fehler war, dass die Ziffern vertauscht wurden. So wurde aus 01 (weiß, gelb) gerne mal 10 (gelb, weiß). Das passierte auch bei 20/02, 30/03, 12/21 und 13/31. Es kam allerdings auch vor, dass der falsche Monat eingehängt wurde oder gleich mal alle vier Ziffern falsch waren, also sowohl Tag als auch Monat. Damit man nicht sieht, dass alle vier Farben unterschiedlich zu den anderen Akten im Regal sind, muss man schon besonders blind sein. Als ich mal fragte, warum eine Akte mit dem falschen Monat dazwischen ist, bekam ich als Antwort: „Wir achten nur auf den Tag.“ Jedenfalls habe ich die Zeit, in der ich dort war, genutzt, um sämtliche Regale nach Fehlern abzuklappern und zu verbessern. Es kam extrem oft vor, dass von anderen Krankenhausbereichen Krankenakten angefordert wurden, diese aber nicht gefunden werden konnten. Zwar konnte es auch sein, dass sie gerade nicht im Archiv waren, sondern noch bei wem anders lagen, allerdings bin ich mir sehr sicher, dass diverse Akten schlichtweg falsch im Archiv hängen.

Zwischenmenschlich hätte es diesmal besser nicht sein können. Ich habe mich mit allen super verstanden und mein Chef war sowieso einer der nettesten Menschen, die ich jemals kennenlernen durfte. Selbst wenn ich mal durch einen ausfallenden Bus zu spät kam oder es sonstige Schwierigkeiten gab, war er nie böse und zeigte Verständnis. Er lobte mich für meine Arbeitseinstellung und konnte über so etwas hinwegsehen. So einen sympathischen Chef werde ich sehr wahrscheinlich nie wieder haben. Als eine meiner vier Ausbilderinnen zu Besuch kam, um ein Auswertungsgespräch mit uns zu führen, fand er nur Positives, was mich regelrecht verlegen machte.

Nicht jeder war aber stets so gut gelaunt. Eine Mitarbeiterin wurde in der ersten oder zweiten Woche wütend bei einem Patientengespräch, weil der Mann nicht wusste, was sie von ihm will. Ein paar Tage später habe ich sie nie wieder gesehen. Keine Ahnung, ob auch sie nur temporär dort angestellt war oder ob da mehr dahintersteckte. Auch in der Mensa gab es von fünf oder sechs Mitarbeiterinnen genau eine, die ständig grimmig schaute und sofort genervt war, wenn man nicht so antwortete, wie sie es gerne hätte. Ich hab immer gehofft, dass ich nicht genau sie erwische. Mensa ist übrigens ein gutes Stichwort, denn das einzige große Organisationsproblem, welches in den drei Monaten gleich zwei Mal auftrat, war die Beschaffung der Essensmarken. Es gab ein Personalbüro mit einer Mitarbeiterin, die dafür zuständig war, die Essensmarken zu verwahren. Sprich: Wenn diese krank und somit das Büro geschlossen war, hatten wir für die Zeit keine Essensmarken und mussten uns "durchschnorren". Ich hab auch ständig bei meinen Kollegen rumgefragt, wie denn nun der Stand ist und wann sich da was tut, aber keiner war in der Lage, mir weiterzuhelfen. War leider sehr nervig.

Es gab auch einen Mitarbeiter, der permanent seltsame Geräusche von sich gab, wenn jemand in seiner Nähe war. Von zig verschiedenen Stöhnlauten zu regelrechten Brunftschreien. Keine Ahnung, ob er keine Schamgrenze hatte oder es sich um irgendeinen Tick von ihm handelte. Es war jedenfalls etwas anstrengend, wenn er in das Büro kam, in welchem ich gerade arbeitete und dann erst mal seine Geräuschkassette durchging.

Alles in allem war es ein wunderbares Praktikum, welches ich höchstwahrscheinlich vermissen werde. Kein Vergleich zu der Hölle, die ich im letzten Jahr durchmachen musste. Komisch auch, dass alles, was damals kritisierte wurde, überhaupt kein Problem darstellte. Mein Arbeitstempo wäre ja zu langsam gewesen, man hätte nie verstanden, was ich von einem will und so weiter. Nichts davon traf diesmal zu, was mir nur noch einmal bestätigte, dass mir massig Blödsinn erzählt wurde und ich bei weitem nicht so schlecht bin, wie mir vorgewurfen wurde. Mit diesem Wissen kann ich gestärkt ins letzte Praktikum gehen, welches wohl ab September startet.

Schwammi09

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23

Mittwoch, 25. Juli 2018, 23:12

Bin Verkehrsplaner bei der Stadt. Hab da letztes Jahr nach dem Bachelorabschluss mit nem Praktikum angefangen und arbeite jetzt erstmal dort bevor ich noch ein Masterstudium anschließe (wenn ich irgendwo einen Platz bekomme). Finde den Job ganz gut, es ist abwechslungsreich, ich bin flexibel mit den Arbeitszeiten und die Kollegen sind alle nett und es ist immer ganz lustig dort. Das ist auf jeden Fall das, was ich später auch mal machen möchte.


Ziemlich genau so, wie es geplant war, ist es auch gekommen. Im Oktober 2016 hab ich mich erstmal wieder aus dem Berufsleben ins Masterstudium verabschiedet und jetzt im September arbeite ich wieder als Verkehrsplaner bei ner anderen Stadt. Schwerpunkte sollen wohl Radverkehr und Bushaltestellen sein.

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Chrdrenkmann

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24

Donnerstag, 21. März 2019, 23:15

Ende Februar endete mein drittes und letztes Praktikum im Rahmen meiner Ausbildung. Es war mit einem Zeitraum von einem halben Jahr auch das längste, was aber vor allem daran lag, dass ich es um zwei Monate verlängerte, weil es mir dort so gut gefiel. Ich arbeitete im Verwaltungsbereich eines Pflegedienstes und hatte mit sehr freundlichen Mitarbeitern zu tun, worüber ich mich extrem glücklich schätzte, da ich nie wieder solche Unmenschen wie im Praktikum 2017 erleben möchte. Ich ging jeden Tag gern dorthin, was für mich klar zeigt, dass ich in diesem Unternehmen unbedingt einen festen Job will. Da ich eine hohe Übernahmechance habe - denn das wurde mir während des harten Abschieds versichert - scheint dieser Wunsch auch nicht unerreichbar zu sein.

Besagter Wunsch kam jedoch nicht nach wenigen Tagen auf, weil die ersten Wochen äußerst kurios waren. Es gab noch eine andere Praktikantin, schätzungsweise um die 18 Jahre alt, welche bereits einen Monat vorher anfing und dort für ein Jahr bleiben sollte. Weil man im Hauptbüro nicht allzu viele Aufgaben für Praktikanten parat hatte, passierte es nicht selten, dass ich in ein Einzelbüro geschickt wurde und diversen Papierkram erledigen musste. Zwar war vermutlich der Gedanke dahinter, dass ich aufgrund meines Aspergersyndoms lieber allein arbeitete (was jetzt nicht unbedingt falsch war), dennoch fühlte ich mich schnell wie das fünfte Rad am Wagen, weil das Mädel halt ständig oben bei den Mitarbeitern bleiben und interessantere Aufgaben machen durfte. So kam es, dass ich, obwohl ich mit dem Papierkram längst fertig war, weiterhin in diesem Einzelbüro saß und so tat, als hätte ich noch was zu tun - einfach aus Protest, dass ich mich weniger wertgeschätzt fühlte als die Praktikantin, welche bereits einen Monat länger dort war.

Doch dann kam alles ganz anders (lo, Olimar wird sich spätestens hier wieder denken, wie geschichtenmäßig meine Sätze klingen und das im Test posten wollen): Mir war nicht bewusst, dass die Praktikantin schon vor meinem Praktikumsbeginn immer wieder mal abwesend war - angeblich durch Krankheit. Und auch im ersten Monat meiner Zeit dort gab es immer wieder mal 1-2 Tage, an denen sie nicht da war. Am Frühstücks-/Mittagstisch, an welchem stets alle Mitarbeiter zusammenkamen und sich unterhielten, kam schließlich der Verdacht auf, sie würde eigentlich gar keine Lust auf die Arbeit haben und schwänzen. Die Situation erreichte ihren absurden Abschluss, als sie tatsächlich gar nicht mehr kam und entlassen wurde. Was Besseres hätte mir gar nicht passieren können, denn nun konnte endlich ich die cooleren Aufgaben machen (viel PC-Kram) und war unter den Leuten. Personen, mit denen ich vorher vielleicht mal ein paar Sätze am Tag wechselte, weil ich vorher eben die meiste Zeit alleine war. Endlich hatte ich häufiger Konversationen mit ihnen und irgendwann fiel eine Bemerkung, die ich nie vergessen werde: „Wir wussten erst gar nicht, was wir mit dir anfangen sollen, aber du hast dich super entwickelt.“ Ich verstand das so, dass man wirklich keinerlei böse Absicht hatte, mich in dieses Einzelbüro zu stecken und halt fälschlicherweise annahm, ich würde es total klasse finden, ständig allein zu sein. Aber nein, ich mochte diese Leute doch, da sie am Esstisch immer so witzig waren. Vor allem die eine Frau haute einen geilen Spruch nach dem anderen raus und ich wollte unbedingt mehr bei ihnen sein. Die Atmosphäre war nun perfekt. Alle Zweifel waren wie weggeblasen. Ein Unternehmen, bei dem sich täglich jeder freute, mich zu sehen und umgekehrt.

Ich möchte aber keine Schönfärberei betreiben. Es gab auch jede Menge Lästereien, deutlich mehr als bei allen anderen Praktika zuvor. Über eine Person wurde beinahe täglich hergezogen, was ich sehr schade fand. Die einzige Sache, hinter der ich absolut nicht stand und auch nie stehen werde. Manche Aussagen gegenüber anderen Leuten waren lustig gemeint, da man sich dort auch gerne neckte und das durchaus für Stimmung sorgte, aber die Bemerkungen zu der einen Person waren garantiert nicht so. Beispielsweise, dass sie sich bei der Chefin einschleimen will oder alles besser weiß...

Aber zurück zu den eher positiven/witzigen Punkten. In sechs Monaten gab es natürlich noch mehr Nennenswertes. Dem Datenschutzbeauftragten, mit dem ich täglich Kontakt hatte, fiel nach drei Monaten auf, dass wir noch keine Datenschutzbelehrung durchführten, was man ja normalerweise direkt am ersten Tag macht. Doch anstatt das dann endlich nachzuholen, widmete er sich einer anderen Aufgabe und vergaß es wieder. Trotz mehrfacher Erinnerungen von mir taten wir das bis einschließlich des letzten Tages nicht. Goob job.

Einen guten Job erledigten dafür alle Mitte Februar, als Amtsmitarbeiter vorbeikamen, um die jährliche Qualitätsprüfung des Pflegeunternehmens durchzuführen. Das Resultat: Bestnote - 1.0. Weil ich einen wesentlichen Teil dazu beitrug, wurde ich in den höchsten Tönen gelobt und ich war sehr glücklich, dass ich für dieses Ergebnis mitverantwortlich war.

Der Humor der Mitarbeiter war erfrischend albern. Keine ultrastrengen Umgangsformen, wie ich es aus der Vergangenheit kannte. Nein, da wurde des Öfteren quietschvergnügt über Geschlechtsteile geredet. Von Frauen im Alter von ca. 35-43. Kein Scherz. Solange man den Arbeitspflichten nachkam, warum auch nicht? Die Lockerheit war jedenfalls einer der Gründe, warum es mir dort so sehr gefiel. Ich selbst klinkte mich zwar nie in diese Gespräche ein, hörte aber amüsiert zu.

Am Esstisch erzählte eine der Mitarbeiterinnen, was sie mal beim Vorbeigehen von einem der Pflegepatienten während eines Spiels hörte. Gesucht wurde eine Stadt mit A, woraufhin der Patient wie aus der Pistole geschossen „Arschloch“ antwortete. Deswegen auch dieser Forenpost von mir:

Stadt mit A? Arschloch!

Bei einem Namen mit H nannte derselbe Patient übrigens „Hitler“.

Wo ich schon beim Thema Esstisch war: Jeden Tag gab es zum Mittag was geliefert und es schmeckte immer vorzüglich. Gleich am zweiten Tag kamen zwei große Salamipizzen ins Haus. Selbstverständlich dachte ich zunächst, das wäre dort gang und gäbe, jedoch war das ein einmaliges Ereignis, weil wohl jemand Geburtstag hatte. Wann immer jemand Geburtstag feierte, standen übrigens Kuchen bereit - und das war bei etlichen Mitarbeitern in der Nähe nicht gerade selten. Von Süßigkeiten will ich gar nicht erst anfangen, da lagen täglich haufenweise rum, weil diverse Pflegekräfte immer mal welche mitbrachten. Kein Wunder also, dass dort - vorsichtig formuliert - keine Topmodels tätig waren. Konnte ich mich ja super eingliedern. Dürfte zwischen zweieinhalb und drei Kilo zugenommen haben. Sollte ich da wirklich dauerhaft arbeiten, sehe ich wahrscheinlich auch irgendwann so aus wie der Rest. Nicht böse gemeint.

Im Dezember erhielt ich von der Chefin persönlich den Spezialauftrag, Geschenke für alle Pflegekräfte zu verpacken. Insgesamt 450. Da ich total grottig bin, was Basteln/Verpacken betrifft, tat ich mich am Anfang unglaublich schwer und musste sie um Hilfe bitten. Sie meinte jedoch lediglich, dass mir schon was einfallen wird. Erst fand ich das ziemlich mies von ihr, allerdings bekam ich es kurz darauf irgendwie hin und war stolz darauf, dass ich das Problem allein lösen konnte. Dafür dankte ich meiner Chefin indirekt, denn so war ich in der Lage, eine schwierige Aufgabe selbst zu bewältigen. Etwas, das ich noch öfter tun muss, sodass ich durch diese Sache in der Hinsicht gestärkt wurde. Schließlich gelang es mir, alle 450 Geschenke rechtzeitig zu verpacken und ich war sehr glücklich darüber. Am 19. Dezember, dem letzten Arbeitstag des Jahres, durfte ich sogar eines der Geschenke zum Dank mitnehmen.

Apropos Geschenke: Ich bekam auch eines am Tag des Abschieds. Es war wirklich ein trauriger Moment, doch wenn alles gut läuft, werde ich ja noch in diesem Jahr zurückkehren. Und sollte das wirklich geschehen, werdet ihr das schnellstmöglich erfahren.

Zusammengefasst war es das interessanteste und schönste Praktikum, welches ich je hatte. Hätte niemals erwartet, dass das Praktikum von 2018 noch steigerbar ist, aber so war das natürlich eine willkommene Überraschung. Was meinte noch mal die Hexe aus dem 2017er-Praktikum damit, als sie behauptete, ich würde es nie wieder so gut haben wie in deren Unternehmen? Wenn die wüsste, wie komplett daneben sie lag.

Ich hätte womöglich noch viel mehr schreiben können, allerdings wollte ich den Beitrag nicht sprengen. Das Wichtigste ist drin. :art:

Chrdrenkmann

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25

Samstag, 13. April 2019, 18:40

Ich habe nun offiziell einen festen Job. Sobald meine Ausbildungszeit vorbei ist, arbeite ich in dem Unternehmen aus dem vorherigen Post. :love2:

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