Ich denke, dass dieser Thread am besten zu dem passt, was ich berichten möchte.
In diesem Post hier meinte ich ja schon, dass es mir inzwischen deutlich leichter fällt, mit Leuten Gespräche zu führen:
Also mir könnte es im Moment nicht besser gehen. Ich blühe hier bei der Arbeitserprobungsmaßnahme richtig auf. Ich habe schon mit jedem aus der 12-köpfigen Gruppe Gespräche gehabt und auch ein paar Leute gefunden, mit denen ich mich sehr gerne unterhalte - dabei war Small Talk nie so mein Ding. Es ist eine wahnsinnig sympathische Gruppe und jeder versteht sich mit jedem.
Also ja: Ich kann sicher schreiben, dass ich mittlerweile extrovertiert bin.
Womit ich allerdings immer noch zu kämpfen hatte, war das Verlassen meiner Komfortzone, wenn es um Veranstaltungen geht. Ich könnte mich zwar für etwas interessieren, mache mir aber viel zu viele Gedanken vor dem Unbekannten: Finde ich den Weg zum Event? Wie sieht es dort aus, also finde ich mich zurecht? Könnte es zu ungewöhnlichen Situationen kommen? Brauche ich Geld und falls ja, wie viel? Muss ich dort was zu essen kaufen und falls ja, was? Und so geht das ständig weiter, bis ich lieber den Weg des geringsten Widerstands wähle und nicht hingehe. Es könnte ja irgendwas schiefgehen.
Am 31. März las ich zufällig im Netz von einem Reitturnier mit verschiedenen Wettbewerben am 5. April, das lediglich eine Stunde zu Fuß entfernt wäre. Ich dachte sofort darüber nach, hinzugehen, denn so eine leichte Gelegenheit gibt es nicht oft, viele Pferde live zu sehen. Und natürlich ging es sofort wieder los, dass ich 1000 Fragen hatte, was da alles zu beachten wäre. Es begann schon damit, dass drei unterschiedliche Adressen angegeben waren. Früher hätte ich bereits da die Reißleine gezogen, weil ich es für unmöglich erachtete, die korrekte Adresse zu ermitteln. Aber ich recherchierte für eine Stunde, bis ich mir absolut sicher war, welche von den dreien stimmen muss. Ich studierte auch den Fußweg genauestens. Nun galt es nur noch, mir einen Ruck zu geben, auch wirklich hinzugehen - also tat ich heute Morgen genau das. Denn wenn ich nicht mal meiner größten Leidenschaft nachkommen könnte, was dann?
Und ich kann stolz behaupten, dass ich alles richtig gemacht habe. Ich war ja schon allein begeistert, als während des Fußmarschs etliche Autos mit Pferdeanhängern an mir vorbeifuhren. Als ich ankam, konnte ich es auch erst gar nicht fassen, wie nah man den Pferden kam. Ich dachte, die Wege wären irgendwie abgegrenzt, dass die Zuschauer weiter von den Pferden entfernt wären, aber man konnte sowohl beim Vorbereitungsplatz als auch beim Parcoursplatz so dicht ran, dass man einen Arm hätte ausstrecken können, um die Pferde zu berühren. Es gab keinen richtigen Zaun oder so was. Und manchmal gingen die Reiter sogar mit ihren Pferden durch den Zuschauerbereich, sodass Pferde direkt neben mir entlangliefen. Ich wäre sogar fast in eines gelaufen, als ich während einer Pause aufs Handy schaute. Das Gefühl dieser Nähe war unfassbar schön und mir gefiel ebenfalls, dass dort viele andere Menschen waren, welche mein Interesse teilten. Ich hörte die gesamte Zeit Leute darüber reden und es erfüllte mich mit großer Freude, endlich einfach mal nur das zu erleben und zu genießen, worauf ich Bock hatte.
Die einzelnen Wettbewerbe waren glücklicherweise recht ungefährlich, also es gab keine extrem krassen Hindernisse, bei denen irgendein heftiger Unfall hätte passieren können. Zwar gab es auch zwei Stürze vom Pferd, aber da ging auch alles gut. Ich war von Anfang bis Ende - von 9:30 Uhr bis 17:45 Uhr - dort und jede Minute war wunderbar investierte Zeit. Hin und wieder drehte ich kurze Videos, um diese schönen Erlebnisse für immer in Erinnerung behalten zu können. Ich war überrascht, wie sich die Pferde verhielten, weil sie oft wieherten, was ich so nicht aus TV-Übertragungen kannte. Es war wirklich herrlich, dieses Geräusch ständig zu vernehmen, ebenso das Schnauben und das Traben/Galoppieren auf dem Boden.
Insgesamt war alles vollkommen unkompliziert dort, was zeigt, dass ich mir unnötig Gedanken machte und mich einfach mehr trauen muss, unbekannte Gefilde zu erkunden. Es war ja sogar noch wesentlich besser als erwartet.