Der Post wird garantiert wie eine Creepypasta klingen, aber ich schwöre, dass das exakt so vor eineinhalb bis zwei Monaten passiert ist.
Ich saß allein im Büro und genoss meine Mittagspause, als ich aus dem Fenster sah und durchs Fenster des gegenüberliegenden Gebäudes - einer Volkshochschule - bemerkte, dass ein Mädchen aus diesem schaute - und das wohl genau in meine Richtung. Natürlich dachte ich mir in dem Moment noch nichts dabei, die Person wird wohl zufällig in dem Moment zu mir gesehen haben. Die Sache war halt, dass die Fenster des anderen Gebäudes stark spiegelten und ich nicht exakt erkennen konnte, was da drin passierte. Ich war mir zwischenzeitlich nicht mal sicher, ob da wirklich jemand stand oder ich nur irgendeine merkwürdige Reflexion von was anderem sah. Jedenfalls konnte ich deshalb auch kaum das Gesicht des Mädchens erkennen und es hätte sein können, dass es eher auf das Geschehen unten auf der Straße achtete. Meine Mittagspause war vorbei und ich arbeitete weiter, nach fünf Minuten sah ich aber wieder durchs gegenüberliegende Fenster und das Mädchen stand noch immer dort. So langsam wurde mir mulmig. Irgendwann ließ ich das Rollo runter, weil ich mich nun mal beobachtet fühlte, doch durch die Schlitze konnte ich immer noch schauen, was auf der anderen Seite passierte. Das Mädchen stand weiterhin starr an der Stelle und blickte wohl trotz des heruntergelassenen Rollos zu mir rüber - zumindest meine ich, das in einem verschwommenen Gesicht erkannt zu haben. Und so ging das weiter. Alle paar Minuten wollte ich feststellen, ob das Mädchen weiterhin zu mir schaute, was der Fall war. Wie gesagt wurde ich irgendwann leicht paranoid und dachte, dass ich mir das nur einbilde und da keine Person stehen kann, die sich absolut null bewegt. Vielleicht war es eben doch nur eine seltsame Reflexion von etwas anderem. Ich wollte eigentlich nicht mehr dort hinschauen, allerdings musste ich mich einfach vergewissern, ob da jemand war oder nicht. Hätte ich das nicht getan, würde ich schließlich niemals herausfinden, ob es ein Hirngespinst war oder nicht und das hätte mich noch mehr fertiggemacht. Also sah ich für einen längeren Moment rüber, ob sich da mal was tat und irgendwann bewegte sich tatsächlich ein Arm mit einer deutlich sichtbaren Hand, was der endgültige Beweis war, dass da wirklich die ganze Zeit jemand an dem Fenster stand. Dann wollte ich das Mädchen noch irgendwie austricksen, indem ich mich von meinem Platz entfernte und von einem Fenster weiter hinten im Büro zu ihr schaute, aber das klappte nicht so recht. Die Zeit verging, ich schaute weiterhin regelmäßig durch die Rolloschlitze und das Mädchen stand unverändert dort. Nach geschlagenen eineinhalb Stunden war es dann nicht mehr da. Eineinhalb. Stunden. Also selbst, falls das Mädchen nach unten auf die Straße blickte, gab es keinen Grund, das für eine so lange Zeit zu tun und sich extra so gut wie gar nicht zu bewegen. Ich bin mir nun mal aber sicher, dass der Blick zu meinem Fenster ging, und das trotz des Rollos. Dieses extrem gestörte Verhalten kann ich mir nicht erklären und mir wird immer noch anders, wenn ich daran denke. An meinem Platz sitzt auch oft eine Kollegin und ab der Folgewoche wurde genau dort die Gardine zugezogen, damit man definitiv nicht mehr rein- und raussehen kann. Natürlich glaube ich nicht, dass das aufgrund dieses Vorfalls geschah - zumal ich mit niemandem darüber redete - ein kurioser Zufall war es dennoch. Ich sitze auch weiterhin an dem Platz und konnte das Mädchen bislang nicht mehr sehen, wenn ich durch ein hinteres Fenster schaute. Hoffentlich bleibt das so.