3. Ich kann nicht nachvollziehen, warum es jemanden, der nichts verbrochen hat und daher nichts zu verbergen hat, stört, dass er überwacht wird. Solange ich in meiner Handlungsfreiheit nicht eingeschränkt werde, kümmert mich das nen feuchten Dreck, wenn die sich den ganzen langweiligen Mist reinziehn wollen, den ich den ganzen Tag verzapf.
Man kann gar nicht generell sagen „ich habe etwas zu verbergen“ oder „ich habe nichts zu verbergen“. Da fehlt doch die Information vor
wem. Letztendlich hängt es davon ab, ob man seinen Überwachern traut oder nicht.
Und irgendwie ist es natürlich, dass man Leuten, die einen ausspionieren, nicht traut, weil das ja heißt, dass die einem auch nicht trauen, und Misstrauen ist normalerweise symmetrisch. Ich finde das auch ganz gesund, denn Informationen sind Macht, und wenn eine Institution über alles und jeden Informationen hat, dann wird diese Instutition irgendwann übermächtig. Misstrauen gegenüber Autoritäten ist meiner Meinung nach vorsichtshalber generell angebracht.
Ich muss allerdings gestehen, dass ich, obwohl mich sowas normalerweise sehr interessiert, die konkrete Geschichte mit Edward Snowden diesmal nicht wirklich aktiv verfolgt habe. Was ich allerdings so mitbekommen habe, überrascht mich nicht. In Ordnung finde ich es aber trotzdem nicht.
Und immer den Terror als Grund anzugeben für noch mehr Überwachung ist einfach generell völlig überzogen. So schlimm Terror auch sein mag, ist er doch bei uns und auch in den USA ein verschwindend kleines Problem. Ich will keine Menschenleben gegeneinander abwägen und jeder Tod ist ein Einzelschicksal, aber 9/11 ist inzwischen mehr als 10 Jahre her und es sind „gerade mal“ wenige tausend Menschen gestorben, was im Grunde nicht sehr viel ist, wenn man sich überlegt, dass in den USA jedes Jahr Millionen von Menschen sterben, und ich gehe außerdem davon aus, dass die USA bei ihren Missionen im nahen Osten erheblich mehr Unschuldige als Kollateralschaden mitabgeschossen haben. Die Reaktion steht in keinem Verhältnis. Es rechtfertigt nicht Notverordnungen wie den Patriot Act, mit dem die USA ihre eigene Verfassung quasi außer Kraft gesetzt haben. Und die Befugnisse, die sich die USA im Ausland, also z.B. auch hier, herausnehmen, sind ja noch schlimmer.
Dass Notverordnungen Mist sind, weiß jeder in Deutschland aus dem Geschichtsunterricht. Und dass über 10 Jahre nach 9/11 diese immer noch existieren und eher weiter ausgeweitet statt zurückgefahren werden, finde ich auch eher beunruhigend.
Wie ich bereits oben geschrieben habe, glaube ich nicht, dass der „Krieg gegen den Terror“ deshalb geführt wird, weil dieser eine ernsthafte Bedrohung für uns darstellen würde. Plausibler erscheint mir, dass die Kriegswirtschaft nach dem Ende des kalten Krieges einfach ein neues Ziel gebraucht hat, und der „Krieg gegen den Terror“ eher wirtschaftlichen Interessen dient. Auch deshalb kann ich die daraus resultierenden Einschränkungen von Bürgerrechten nicht akzeptieren.